Smartphone Fasten
Die Fastenzeit steht an, wie jedes Jahr suche ich fieberhaft nach einem Thema der 40tägigen Enthaltsamkeit. Seit mehreren Jahren schwebt mir vor endlich mal das Smartphone beiseite zu legen. Digital Detox! In den Jahren zuvor muss ich kläglich eingestehen- bin ich gescheitert. Aber warum?
Mit meinen beiden Mäusen zuhause war ich im letzten Jahr tatsächlich noch fast täglich mit dem Kinderwagen unterwegs. Eine willkommene Abwechslung war unsere Mutti-Chatgruppe zu „spontanen“ Kinderwagentreffs. Eine Einladung dieser Art zu verpassen, das wollte ich tatsächlich nicht riskieren. Gesellschaftliches Kick Off!
Das Jahr davor, also 2018, war ich in der Fastenzeit hochschwanger. Mein Smartphone, mein treuer Begleiter, ob es zum absolut notwendigen Onlineshoppen des 243 Babybodys war oder zur Recherche der Anzeichen eines Geburtsbeginns, das Handy musste da sein.
Mein Handy war in den letzten Jahren treuer Beistand- mein Entertainer in schlaflosen Nächten, mein Fenster zur Welt der unbegrenzten Anzahl an wunderschöner Kinderkleidung (ihr kennt Hema und next?), meine kleine Oase der neuen Eindrücke. Handy anschalten, um abzuschalten- mein Motto! So und nun zu den harten Fakten:
- Meine Kinder kennen mich mittlerweile kaum ohne Handy in der Hand.
- Ich stelle mir gerade die Frage, ob ich Stuhlgang ohne den smarten Entertainer schaffen könnte.
- Mein Mann sieht nach einem anstrengenden Tag abends meist nur meinen Rücken, der sanft vom bildschirmblau erleuchtet wird.
Zunehmend merke ich wie zwischen meinem treuen Begleiter und mir eine Art Hass-Liebe entsteht.
Ich bin teils genervt, von den 30 Werbeemails, die morgens und abends zeigen, wie extremst angesagt Bermudas in diesem Sommer sein werden und wie toll es wäre in exklusiven Resorts zu escapen. Ich denke ungern an meinen Kontostand- den ich natürlich per Smartphone abrufe- der mich derzeit anfleht, nicht noch 3 weitere Hosen für meine kleine Maus zu bestellen. Wie leicht und verführerisch es sich doch anfühlt noch schnell ein Buch zu bestellen, dass ich UNBEDINGT lesen muss (dabei hatte ich die letzten 4 Jahre kein Buch mehr in der Hand).
Tatsächlich fühle ich mich langsam eingeengt, von ihm, meinem kleinen Freund, der nachts neben mir einschläft, nachdem er mich mit einer Folge einer seichten Serie sanft in den Schlaf befördert. Und morgens wenn ich die Augen öffne bereits freudig erwartet, bereit mir zu zeigen wie die stündlichen Wetterprognosen des Tages sind, um danach zu schauen, welche nützlichen Produkte der Kaffeeriese wohl anbietet.
Ich brauche eine Beziehungspause… und werde mir jetzt mal die Zeit nehmen, um auf dem stillen Örtchen nach Tipps zu digital detox zu googlen.
Smarte Grüße