Co(oho!)rona

Es hat mich erwischt- wie eine tosende Woge!


Ich stand am Strand mit dem festen, feuchten Sand unter meinen Füßen und zwischen meinen Zehen. Der salzige Geruch in der Nase. Ich spüre noch, dass die Wellen anfangs sanft waren, dann der Sand etwas weicher wurde- dennoch war es ein sicheres Gefühl und auch etwas belebend, das kühle Nass an den Füßen zu fühlen.

Und dann kam sie irgendwann nach 4 bis 6 Wochen: Eine überraschend große Welle, die mich mit all meiner Kleidung ins Meer spülte. Die mich umwarf, kurz den Kopf unter Wasser tauchte, so dass das salzige Wasser in die Nase lief. Das Salzwasser prickelte und brannte leicht in der Nase. Es dauerte einen Moment sich zu orientieren, nach dem sandigen Boden zu suchen und mit der schweren, nassen Kleidung aufzutauchen, während sich die Welle langsam wieder ins Meer zurückbewegte. Aber sie ließ los, die Welle…

Das war Corona bisher…

Während ich anfangs tatsächlich einen Schwall unterschiedlichster Gefühle erlebte: Einen gewissen Adrenalinkick erlebte, ein seltsames Unbehagen der Verletzlichkeit, ein Solidaritätsgefühl…. Alles in allem gepaart mit allerschönstem Frühlingswetter, welches die räumlichen Einschränkungen durch erholsame Gartenzeit vergessen ließ. Abends sogar zum gemeinsamen Sinnieren auf der Terrasse anregte, hatte ich das Gefühl in einer kleinen rosaroten Familienblase zu schweben. Die ausschließliche Zeit mit den Personen des eigenen Haushaltes verband noch mehr.

Dann folgte plötzlich die Welle. Die Welle der Einschränkungen, des Gefühls nicht mehr aufatmen zu können, dem dringlichen Wunsch nach dem Zurück in den normalen Alltag…
Nun haben wir seit 3 Wochen den normalen Alltag, die Kinder besuchen den Kindergarten, die Arbeitskollegen füllen wieder das Büro… Meine königliche Familie hatte das Glück bislang keine massiven Einschnitte wie Jobverlust, Coronaerkrankung oder Ähnliches erdulden zu müssen. Wir haben sogar einen wunderbaren Urlaub (innerhalb Deutschlands) genossen.

Die von der Welle durchnässte Kleidung ist ausgewrungen. Sie fühlt sich nicht mehr so schwer an und trocknet schon leicht an der Sonne. Aber was bleibt dann von der coronalen Welle?
Tatsächlich dachte ich zu Beginn, dass diese Zeit etwas Neues hervorbringt, für mich, meine Familie, vielleicht auch für die Gesellschaft. Doch scheint es lediglich ein Bild zu sein, dass langsam verblasst. Ohne Emotionen, ohne Empfindungen. Eine Phase- gemeistert, bewältigt, Life goes on.

Fast wehmütig schaue ich auf das Bild der Welle zurück und spüre nochmal den Emotionen nach, dem anfänglichen Kribbeln, den Gefühlen der Verbundenheit, der Frage nach Erkenntnis.
Vielleicht bleibt mir einfach nur die Erkenntnis, zu wissen, das unbekannte Dinge, die Angst machen, die anstrengend sind, die einem das Leben unbequem machen, auch einen Reiz haben.

Sandige Grüße

Eure Pr(ov)inzessin

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