Alter Falte(r)

Da ist sie. Eine große tiefe Furche mitten im Gesicht. Nicht einmal der beste (Foto)Filter kann sie verstecken. Erstaunt betrachte ich die Bilder zwischen denen vielleicht 2-3 Jahre liegen: Vom faltenfreien, jungen Gesicht zur tiefen Gletscherspalte, flankiert von tiefen bläulichen Schatten der schlafmangelbedingten Augenränder, die sich auf der gleichen Gesichtslinie befinden.

DIE Falte: Eines der ersten deutlichen sichtbaren Merkmale, dass der Alterungsprozess voll im Gang ist. Während andere schon seit ein paar Jahren mit grauen Haaren zu kämpfen hatten, wurde ich bislang verschont. Ich hatte mich damit arrangiert, irgendwann, in die SPÄTER notwendige Welt der Chauffeure, des unendlichen Marktes der chemischen Farb- und Tönungsprodukte zu versinken und unweigerlich eine Stunde mehr Zeit bei jedem Frisörbesuch einzuplanen. Aber das es mich so hart trifft, mitten ins (im) Gesicht. #kopfschütteln# Plötzlich entsteht ein Verständnis für die Schönheitschirugie, was ich früher noch belächelt hatte. So habe ich mich schon dabei erwischt, in einer ruhigen Minute, durch im Netz die Vielzahl an Angeboten und Alternativen von Beautyklinken zu stöbern und mir vorzustellen, was in diesem Zuge sonst noch erneuert und verschönert werden könnte.

Der Körper altert durch Schwangerschaft und Kinder: Eine Bekannte, die in den USA Medizin studiert hat, erzählte mir bei einem Babybesuch, dass ihr Dozent an der medizinischen Universität die Meinung vertritt, dass jede Schwangerschaft, den Körper um 10 Jahre altern lässt. Also wäre ich so knapp Mitte 50! Ufff… obwohl… irgendwie… so an schlechten Tagen… mit den plötzlich aufkommenden Wehwechen: Knieschmerz hier, schwächelndes Bindegewebe dort… nicht zuletzt das nicht zu verleugnende Merkmal im Gesicht. Dann komme ich zu dem Ergebnis, ja das sind eindeutige Indizien. Und es sind nur die sichtbaren und spürbaren Anzeichen. Manchmal frage ich mich, ob ich seit der Geburt meines zweiten Kindes in eine Art Midlife Crises geraten bin und ob die Midlife Crises bei Frauen schon so viel früher einsetzt als bei Männern? Denn eigentlich bin ich in der Blüte meines Lebens: Stolze Schlossbesitzerin, habe eine fundierte Ausbildung, die beruflich viele Möglichkeiten bietet. Ein Mann mit einer (verhältnismäßig) sicheren Arbeitsstelle. Läuft also. Meine Big Fives an Lebenszielen (Fernreisen, toller Kerl, Haus, Hochzeit, gesunde Kinder) konnte ich alle verwirklichen. Und nun stelle ich mir die Fragen: Ist dann alles was jetzt kommt nur noch die Erhaltung? Ist das alles was kommt? Oder braucht es bzw. brauche ich permanent emotional hohe Lebensziele (wie Hochzeit, Haus, Kind).  Gibt es denn etwas anderes als die Liebe zu den Kindern und der Familie, die einen ähnlich beflügelt?

Wenn ich also nochmals auf die These dieses Arztes zurückkomme, dass die Schwangerschaft die weibliche, körperliche Existenz altern lässt, dann passen meine Gedanken. Gedanken einer Mitfünfzigerin, das beruhigt mich irgendwie. ABER MOMENT MAL: Eigentlich weiß ich gar nicht, welche Gedanken eine Mitfünfzigerin dazu hat und was ihre Ziele sind. Ich hoffe nur, dass ich durch die Erfahrungen dieser Selbstmitleids-Krise, äh Midlife Crises-, Verständnis für den emotionalen Zustand meines Mannes haben werde, wenn er in ferner Zukunft in seine Midlife Crises kommt. Und noch mehr hoffe ich, dass ich bis dorthin meine neuen, beflügelnden Ziele gefunden habe und für das Wort ERHALTEN, das Synonym GENIEßEN gefunden habe.

In diesem Sinne: Enjoy your day!

Eure Pr(ov)inzessin