Quarantäne mit Kindern- Vol. 2

Die ersten Tage sind geschafft- es folgen weitere. Countdown zählen zwecklos, es gibt zwar ein offizielles Datum, den 19. April, auf den alle sehnsüchtig hinfiebern. Aber mal ehrlich, vielleicht sollte man sich nicht zu sehr darauf versteifen. Denn mit dem 19. April wird nicht automatisch die ganze Menschheit von Corona befreit und wir werden große Paraden, voller Konfetti, Fanfaren und wir tanzen mit unseren Liebsten und Hinz und Kunz durch die Gassen…denn ALLES IST ENDLICH WIEDER SO WIE ZUVOR!

Lasst uns mal grob und sehr unvollständig die harten Fakten sehen:

  • Es sind bis dorthin viele Menschen gestorben. Ein Glück hat jeder, der nicht selbst von einem Todesfall betroffen ist.
  • Corona ist noch immer da! Auch mit dem visierten Tag X kann man sich noch anstecken und sollte dies der Fall sein, dann wird man sicher (wieder) einige Zeit in Quarantäne verbringen.
  • Und NEIN, davor wird es nicht mehr so sein, wie es einmal war. Aber wollen wir das wirklich???? Für uns- einer eher sorgenlosen Generation, bei denen zwar die soziale Schere auseinander geht, aber dennoch für viele das größte Problem darin besteht, dass sie sich nicht zwischen Bali und Koh Samui als nächste Urlaubsdestination entscheiden können? Oder aber das Onlineshopping derzeit die einzige Möglichkeit ist, sich ein neues Paar Nike Air Max zu bestellen und nicht mehr im realen Life der City an einem samstäglichen Shoppingtag mit 10000 anderen Leuten auf der Königsstraße in Stuttgart den Schuh ergattern können. Plötzlich wird dies als Einschnitt erlebt, was zuvor königlich gefeiert wurde- der bequeme Weg der Onlinebestellung- es sind nun zwei Paar Schuhe!

Warum ich davon schreibe, weil ich genau zu so einer Personengruppe gehöre. Ja es sind auch meine ganz neuen Erfahrungen. Dennoch würde ich mich aber als vorsichtig posimistisch (Vorsicht- Wortneuschöpfung;o)) bezeichnen. Das bedeutet ich gehöre zu jener Sorte Mensch, die erst einmal pessimistisch an Dinge herangeht, um dann ein besonders positives Ergebnis zu erwarten- zu erhoffen. Dies also als Intro- was Provinzessin in dieser Coronakrise so sinniert.

Nun aber zur Familienzeit kompakt:

Ich durchforste fasziniert die vielen tollen Angebote und Ideen im Internet, die so herumschwirren, bei denen es darum geht, die Zeit des heimischen Daseins zu füllen. Hierbei habe ich zwei Sparten festgestellt, es gibt zum einen sportliche und tänzerische Kinderangebote wie Albas tägliche Sportstunde oder Kindertanzen mit Bibi. Oder aber Bastelangebote, kreative Beschäftigungsideen, Ausmalbilder…Auch unser Kindergarten versorgt uns immer wieder mit Bastelideen, bislang zweimal die Woche einmal für die Kindergartenkinder und einmal für die Krippenkinder.

Nach den ersten zwei Wochen folgende Erkenntnis:

JEDES Kind bastelt, malt, schneidet und klebt gerne stundenlang und frohen Mutes und ist voller Eifer dabei, wenn das nächste Projekt ansteht!!! Das muss so sein. Warum sollte es sonst zig Drillionen Ideen im Internet geben?

Nach den vergangenen zwei Wochen weitere Erkenntnis:

Ich habe die einzigen zwei Kinder, bei denen es länger dauert die Schere aus der Küche zu holen, als die nachher tatsächlich stattfindende Beschäftigungsdauer (und wir haben ein offenes Raum- Wohnkonzept!) Die von mytoys für jedermann kostenlosen Malvorlagen von Paw Patrol oder Eiskönigin, nun ja, auch hier dauerte der Druckvorgang gleichermaßen lang wie der Akt des Anmalens. Das mit Fingerfarben bestempelte Riesen-Osterei kostete die Mutti jede Menge Zewa, Feuchttücher, Nerven und die Kinder ca. 3 Minuten ihres kindlichen Daseins. Das solidarische Gestalten eines Regenbogens gelang ausschließlich mit enormer zeichnerischer mütterlicher Mitwirkung! Aber hallo eine Sozialpädagogin sollte es doch bitte gelingen die Kinder zu fördern!

Und was ist nun bitte die Erkenntnis dieses Blogbeitrags oder soll dies eine Ode an die Unzufriedenheit in diesen seltsamen Tagen sein?

Ich lasse meinen Tag damit ausklingen, dass mein 4jähriger Prinz mehr Ausdauer und Muse hat, seiner Schwester ihr Geburtstagsgeschenk einzupacken und dort freiwillig die Schere nimmt und schneidet, Ecken umschlägt und faltet, vergleichsweise geduldig mit dem widerspenstigen Tesa umgeht als bei sämtlichen Angeboten der vergangenen zwei Wochen. Vielleicht hat er ja morgen Lust das Geschenk zu vervollständigen, indem er noch ein Bild für seine Geburtstagsschwester malt!

In diesem Sinne, Krone wieder auf die zerzausten Haare zurückschieben, weiter probieren (die Ideenliste meines anderen Blogbeitrags soll jetzt erst Recht noch länger werden- ich finde noch Alternativen!)

#Wirbleibenzuhause Eure Pr(ov)inzessin